Dasein für Angehörige
Ein sehr berührender Brief von Angehörigen für eine Hospizmitarbeiterin.
Dass in der Hospizarbeit Angehörige genauso im Mittelpunkt stehen wie Patienten, das wissen wir. Dass sich diese unterschiedlich mit dem Tod auseinandersetzen auch. Elisabeth Schlauer (LB) über die Begleitung von Angehörigen.
In Zusammenarbeit mit dem mobilen Palliativteam Deutschlandsberg wurde ich um die Übernahme einer Sitzwache gebeten. Gegen Mittag traf ich bei Familie W. ein, sprach mit den Angehörigen, informierte mich, machte mir ein Bild von der Situation. Die Angehörigen liebten Frau W. über alles, jedoch mit dem Abschied, dem Tod umzugehen fiel ihnen sehr schwer. Es war gut, dass ich als Hospizbegleiterin, als Außenstehende da war. Die Angehörigen konnten mit mir reden, wir konnten weinen und auch lachen. Sie konnten sich in dieser Situation ein Stück bei mir anhalten. Ich blieb die ganz Nacht. Die letzten Stunden von Frau W. verbrachte ich mit ihr allein. Sie verstarb in den frühen Morgenstunden. Ich weckte die Angehörigen. Frau W. lag friedlich, ohne Falten, erlöst in ihrem Bett. Gemeinsam wurde gebetet und Danke gesagt für ein so reiches, von vielen Höhen und Tiefen geprägtes Leben. Ich blieb noch bis am Morgen alle Formalitäten erledigt waren. Am selben Abend rief mich die Tochter von Frau W. an. Sie weinte bitterlich, war froh über mein Dasein. Vier Tage später wurde Frau W. verabschiedet. Das Ausmaß an Vertrauen und Offenheit, das mir die Angehörigen entgegengebracht haben, war und ist für mich als Begleiterin berührend, bereichernd und unendlich kostbar. Beim Heimkommen habe ich immer mein eigenes Ritual – ich zünde für mich, für die Angehörigen und die Verstorbene eine Kerze oder ein ewiges Licht an – für drei Tage.











