Trauer – ein Weg der noch vor Ihnen liegt
Artikelübersicht
„Es ist jetzt sieben Wochen her, und ich komme langsam dazu zu akzeptieren, dass es nicht in zwei Wochen vorbei sein wird und auch nicht in einem Monat oder in zwei Monaten. Es wird „vorbei“ sein, wenn es vorbei ist, und ich glaube allmählich, dass ich vielleicht nie ganz aufhören werde, traurig zu sein.“ (aus: Hannah Lothrop, „Gute Hoffnung – jähes Ende“).
Das, was in den letzten Tagen oder Stunden mit Ihnen passiert ist, macht Sie vielleicht ängstlich, verzweifelt, gefühllos, tobend, oder vieles mehr.
Viele dieser Gefühle sind einer Krisen- bzw. Trauersituation entsprechende Gefühle. Wie Sie ganz persönlich reagieren, hängt von Ihren früheren Verlusterfahrungen ab, von Ihrer eigenen Persönlichkeit und Geschichte und von den Begleitumständen Ihres jetzigen Verlustes. Das heißt, Ihr eigener Trauerweg ist einzigartig.
Und doch kann man aus den Erfahrungsberichten von Frauen/Paaren, die ihr Kind verloren haben bzw. aus den Erfahrungen trauernder Menschen, gewisse Gesetzmäßigkeiten herauslesen. Und es mag recht hilfreich sein, wenn wir wissen, wie andere ihren Trauerweg gegangen sind.
Meist verläuft unser Trauerprozess spiralförmig, nicht in geradlinigen Phasen. Die erste Zeit nach unserem Verlust ist oft gekennzeichnet von
Schock und Betäubung
Wenn wir mit dem Tod oder einer lebensbedrohlichen Situation konfrontiert werden, kommt uns alles nicht real vor. Wir sind im Schock; viele sind unfähig zu reagieren, oftmals unfähig etwas zu fühlen. Manchmal sind wir auch erschrocken von der eigenen Klarheit oder „Gefühlskälte“. Bei vielen Menschen scheint sich so etwas wie eine natürliche Anästhesie (Betäubung) einzustellen, für Stunden, Tage oder Wochen. Wir wollen und können uns der Realität des Todes nicht stellen. Oft wird Müttern/Eltern von fehlgeborenen oder totgeborenen Kindern auch das Empfinden des Verlustes und die Trauer von unserer Gesellschaft abgesprochen. Das heißt, eine der Aufgaben in dieser Phase ist es, den Verlust als Verlust und den Verlust als Realität anzuerkennen.
Wenn wir langsam aus dem Schock erwachen, brechen unsere Emotionen oft mit nicht vorstellbarer Heftigkeit über uns herein. Die Schweizer Psychotherapeutin Verena Kast bezeichnet diese Phase als
Die Zeit der aufbrechenden Emotionen
Nach unserer Betäubung können viele Gefühle in uns explodieren. Schmerz, Wut, Schuld, Angst, Eifersucht und vieles mehr. Manches davon überrascht uns vielleicht, scheint uns für unsere Situation nicht passend, lässt uns vielleicht sogar an unserem Verstand zweifeln. „Ist das noch normal?“Oft erleben wir auch eine Zeit des Suchens nach dem Verlorenen und der grenzenlosen Sehnsucht nach unserem Kind.Unsere Gefühle und Sehnsüchte anzunehmen und ernstzunehmen ist wohl die Hauptaufgabe in dieser Zeit.
Danach folgt oft eine Zeit der Desorientierung und Verwandlung
Der Verlust wird immer stärker als Realität akzeptiert. Oft hat uns die vorangegangene Zeit aber so erschüttert, dass wir nicht mehr dieselbe Person sind. Vielleicht haben sich unsere Werte verändert. Vieles ist plötzlich in Frage gestellt.Unsere Lebensentwürfe werden vielleicht nochmals überprüft und auf ihre Tragfähigkeit und Aktualität hin kritisch beleuchtet.
Und irgendwann, vielleicht ganz allmählich, vielleicht auch sehr bewusst, kommt eineZeit der Erneuerung und neuer Hoffnung.











